Was damals Recht war…
Begleitprogramm zur Ausstellung „Was damals Recht war …“ im Historischen Museum Hannover vom 09.12.2009 – 28.02.2010
Dienstag, 09. Februar, 19.00 Uhr
Denkzeichen! – oder: „Wo sind die Deserteure?“
Die Erinnerung an die Opfer der NS-Wehrmachtsjustiz in der deutschen Gedenkkultur
Impulsreferat und Podiumsdiskussion
Die Errichtung von Mahnmalen zur Erinnerung an die gefallenen Soldaten des Zweiten Weltkrieges erfolgte nach Kriegsende schnell und gesellschaftlich konsensfähig. Doch bereits 1953 fragte der spätere Nobelpreisträger Heinrich Böll: „Wo sind die Deserteure?“ Es sollte bis 1981 dauern, bevor in Kasel das erste Denkmal für den unbekannten Deserteur eingeweiht wurde. Erst 2002 wurde die Rehabilitierung der Wehrmachtsdeserteure durch den Bundestag beschlossen. 2009 ist nun auch die letzte Opfergruppe der damaligen NS-Richter rehabilitiert worden: die so genannten „Kriegsverräter“. Per Gesetz erhielten jene Menschen posthum und pauschal ihre Ehre und Würde zurück.
Über den problematischen Umgang im Gedenken an die Opfer der NS-Wehrmachtsjustiz in der Bundesrepublik Deutschland und ihren heutigen Platz in der Erinnerungskultur diskutieren:
- Dr. Norbert Haase, Historiker Dresden
- Prof. Ulrich Krempel, Direktor Sprengel Museum Hannover, Jury-Mitglied Denkmal für die Kölner Deserteure
- Prof. Rolf Wernstedt, Vorsitzender des Landesverbandes Niedersachsen des Volksbundes Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., Landtagspräsident a. D.
- Brunhild Müller-Reiß, AG Denkmal für den unbekannten Deserteur i. d. DFG-VK Hannover
- N.N., Referent/in Bundesministerium für Verteidigung
Moderation: Dr. Thomas Schwark, Direktor Historisches Museum Hannover; Dr. Sabine Meschkat-Peters, Stadtarchiv Hannover, Gedenkstättenarbeit
Veranstalter: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., BV Hannover
Dienstag, 16. Februar, 19.00 Uhr
Tod am Hindukusch – Braucht die Bundeswehr eine Militärgerichtsbarkeit?
Die Zukunft der Strafverfolgung deutscher Soldaten im Auslandseinsatz
Podiumsgespräch
Die Beispiele häufen sich: Auch deutsche Soldaten sind an der Tötung afghanischer Zivilisten beteiligt, meist ein tragischer Irrtum oder doch fahrlässige Tötung, gar Totschlag? Die Staatsanwaltschaft in Deutschland ermittelt, weil das deutsche Strafrecht auch für deutsche Truppen im Ausland gilt. Ist die eigentliche Provokation für die Öffentlichkeit die Erkenntnis, dass zur „Normalität“ des Einsatzes auch der Gebrauch der Waffen, das Töten gehört oder irritiert eher, dass gegen die verantwortlich Handelnden Ermittlungsverfahren eingeleitet werden? Nicht immer wird sich fern des Kriegsgeschehens sauber klären lassen, was Notwehr war oder was in Verkennung der Gefahrenlage geschah. Muss das deutsche Strafverfahrensrecht geändert werden, um den veränderten Aufgaben der Bundeswehr Rechnung zu tragen? Die Vorschläge reichen von einer eigenen Schwerpunktstaatsanwaltschaft in Potsdam, dem Sitz des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr, bis hin zu einer eigenen Militärgerichtsbarkeit. Wäre ein Sonderrecht für Soldaten das Ende des Staatsbürgers in Uniform?
Darüber diskutieren:
- Brigitte Schulte, SPD, von 1998 bis 2002 Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister der Verteidigung
- Prof. Dr. Heike Krieger, Freie Universität Berlin, Richterin am Verfassungsgerichtshof des Landes Berlin
- Florian Pfaff, Major, Referent Darmstädter Signal
- Christian Sieh, Justiziar, Deutscher Bundeswehr-Verband e.V.
- Eckart von Klaeden, CDU, MdB, Parlamentarischer Staatssekretär im Wirtschaftsministerium; bis Oktober 2009
- Außenpolitischer Sprecher der CDU)CSU Bundestagsfraktion (angefragt)
Moderation: Dr. Uwe Day, NDR Hannover
Veranstalter: Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge e.V., BV Hannover
Dienstag, 23. Februar, 19.00 Uhr
Vortrag
„Der Tod kam immer im Morgengrauen.“
Schicksale hannoverscher Deserteure. Lesung aus Gerichtsakten und Briefen über Deserteure in und aus Hannover
Klaus Falk, DFG/VK Hannover
Auf dem Friedhof Fössefeld in Linden sind mindestens 21 Soldaten begraben, die zumeist wegen Fahnenflucht auf dem Garnisonschießplatz der Wehrmacht in Hannover-Vahrenheide erschossen wurden. Keiner von ihnen kam aus Hannover. Die Gräber hannoverscher Soldaten, die wegen Fahnenflucht exekutiert wurden, sind über ganz Europa verstreut. Der Ort, der heute an ihr Schicksal erinnert, ist das Denkmal für den unbekannten Deserteur auf dem Trammplatz vor dem Neuen Rathaus.
Im Rahmen der Ausstellung werben wir für die Aufstellung eines neuen würdigen Denkmals für Deseteure und gründen dazu eine Bürgerinitiative.
Veranstalter: Friedensbüro, DFG-VK, Rosa Luxemburg Stiftung Niedersachsen
Ort: Historisches Museum Hannover
DFG-VK-Gruppe Hannover/Braunschweig
c/o Klaus Falk
Ferdinand Wallbrecht-Str. 9
30163 Hannover
Telefon 0511/628922
E-Mail: hannover (a) dfg-vk.de
Homepage
[PM DFG-VK-Gruppe Hannover/Braunschweig, 05.02.2010, Klaus Falk]
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