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ihmebote
Aktuelle Informationen und Nachrichten aus Hannover · Donnerstag, 09.Februar 2012

 

Verfahren zur Umbenennung der Elkartallee in Hilde-Schneider-Allee hat begonnen

Die Landeshauptstadt Hannover informiert derzeit alle AnliegerInnen und EigentümerInnen der Elkartallee über die geplante Umbenennung der Elkartallee in Hilde-Schneider-Allee. Mit dem Versand der Briefe hat das Verwaltungsverfahren begonnen, nachdem der Stadtbezirksrat Südstadt-Bult die Stadt zur Umbenennung aufgefordert hatte. Bis zum 15. April haben die Angeschriebenen die Möglichkeit, ihre Anregungen und Bedenken mitzuteilen, die dann in die Beschlussvorlage eingehen. Die Entscheidung über die Umbenennung trifft schließlich der Rat der Stadt.

Die Elkartallee, 1897 als Teil der Bismarckstraße angelegt, wurde 1960 nach dem früheren hannoverschen Stadtbaurat Karl Elkart (15.09.1880 bis 12.06.1959) benannt, der dieses Amt von 1925 bis 1945 innehatte. Der Stadtbezirksrat bezieht sich bei seiner Umbenennungsforderung vom 17. Februar 2010 auf die Studie "Stadtverwaltung im Dritten Reich. Verfolgungspolitik auf kommunaler Ebene am Beispiel Hannovers" (2006) von Dr. Rüdiger Fleiter. Der Stadtbezirksrat hält Karl Elkart trotz aller unzweifelhaften Verdienste um die städtebauliche Gestaltung der Stadt Hannover als nicht geeignet, als Namensgeber für eine Straße, einen Weg oder einen Platz in Hannover zu fungieren.

Die Grundsätze der Stadt für die Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen sehen Umbenennungen dann vor, wenn die geehrte Person Ziele und Wertvorstellungen verkörpert, die im Widerspruch zu der Verfassung oder Menschenrechten stehen, und der geehrten Person schwerwiegende persönliche Handlungen (zum Beispiel Verbrechen gegen die Menschlichkeit, Rassismus, Kriegsverbrechen) oder die aktive Mitwirkung in einem Unrechtssystem zuzuschreiben sind. Für die Landeshauptstadt Hannover ist aus allen neueren Überlegungen und historischen Untersuchungen eindeutig erkennbar, dass Karl Elkart in einer moralisch nicht nachvollziehbaren Weise die Vorstellungen und Ideologien des NS-Staates eilfertig erfüllt und somit aktiv in einem Unrechtsregime mitgewirkt hat.

Hintergrundinformationen:
Als Stadtbaurat war Karl Elkart für den Einsatz von Kriegsgefangenen verantwortlich und hat sich aktiv um die Zuweisung weiterer Zwangsarbeiter bemüht. Er hat in Hannover an hervorragender Position die Verfolgungspolitik des NS-Regimes ausgeführt. Elkart war an der lokalen Judenverfolgung beteiligt und nutzte die Notsituationen von Juden im Dritten Reich aus, um von ihnen Eigentum "günstig" für die Stadt zu erwerben. Schon 1933 setzte er sich als Mitglied einer Kommission dafür ein, dass an Juden keine städtischen Aufträge vergeben wurden. 1938 machte er den Vorschlag, für Juden praktisch keine Grundstücksverkäufe mehr zuzulassen, ohne dass für solche weitgehenden Maßnahmen konkrete Vorgaben der Reichsregierung existierten.

Des Weiteren geht aus den vorliegenden Unterlagen hervor, dass Elkart ab 1937 Mitglied der NSDAP war, ihm aber nicht vorgehalten werden kann, dass er sich persönlich bereichert hätte. Er gehörte aber zu den Personen, die eilfertig und zum Teil mit Eigeninitiative die unmenschliche Politik des NS-Regimes unterstützt haben. Ohne solche Personen wie ihn wäre die erschreckende Effektivität der staatlich organisierten Judenvertreibung und -verfolgung nicht möglich gewesen.

Nach Erscheinen von Fleiters Studie, die durch einen Gutachter und verwaltungsinterne Untersuchungen bestätigt wurde, wuchsen die Zweifel, ob eine Straßenbenennung nach Karl Elkart unter Berücksichtigung der neuen Erkenntnisse noch tragbar ist. Ein das Straßenschild erläuternder Legendentext, der vorgeschlagen worden war, erschien Befürwortern der Umbenennung nicht weitgehend genug. Der im September 2007 begonnene Versuch, unter Einschaltung eines externen Moderators AnliegerInnen und ortsansässige RepräsentantInnen aus Politik, Wirtschaft und Kultur zu einer einvernehmlichen Lösung zu bringen, scheiterte im Juni 2008.

Der Vorschlag, die Straße nach Hilde Schneider zu benennen, entspricht den Grundsätzen für die Benennung von Straßen, Wegen und Plätzen, wonach verstärkt weibliche Persönlichkeiten berücksichtigt werden sollen.

Die gebürtige Hannoveranerin Hilde Schneider (12.11.1916 bis 24.01.2008) wurde evangelisch getauft und konfirmiert. Mit 17 Jahren begann sie eine Ausbildung im hannoverschen Diakonissenhaus der Henriettenstiftung und wurde 1936 als Novizin eingeführt. Weil drei ihrer Großeltern Juden waren, galt auch sie nach den Rassegesetzen der Nationalsozialisten als Jüdin. 1938 wurde sie von der Leitung des Henriettenstifts gebeten, das Diakonissenhaus zu verlassen. Danach durfte sie im jüdischen Krankenhaus in Hannover arbeiten und legte hier ihr Krankenschwesterexamen ab. Wenig später wurde sie zu Zwangsarbeit verpflichtet und Ende 1941 nach Riga deportiert.

Hilde Schneider überlebte Ghetto und Konzentrationslager und kehrte 1945 zurück nach Hannover in die Henriettenstiftung. Sie holte das Abitur nach, um anschließend in Göttingen Theologie zu studieren. Ihr Vikariat machte Hilde Schneider bei der landeskirchlichen Frauenarbeit in Hannover. Anschließend arbeitete sie einige Zeit als Stadtvikarin in Bremerhaven. Da zu dieser Zeit in der Landeskirche Hannover noch keine Frau Pastorin werden konnte, ging sie 1959 nach Frankfurt/Main und arbeitete dort im Frauengefängnis als erste hauptamtliche Pfarrerin. Zuletzt lebte sie in einem Altenheim im Taunus.

[PM LH Hannover, 11.03.2010]

1 Kommentar

  1. Also ich finde die Umbenennung der Alle gut, da eine Straße nich nach einem Namem mit solch einem fürchterlichen Hintergrung bennant werden darf. Zwar ist es teils sehr äufwändig für die Bewohner der Strasse aber wer möchte schon in einer Straße wohnen, die auf solche einem Hintergrund beruht.

    Kommentar von Petra — 12. März 2010 @ 10:34

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