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pro.kronsberg: Ein ungewöhnliches Projekt erfordert ungewöhnliche Maßnahmen

Oberbürgermeister Weil sprach Anfang Oktober bei einer Bürgerversammlung davon, daß ein ungewöhnliches Projekt ungewöhnliche Maßnahmen erfordere. So eine Maßnahme gab es am 20. November von der Initiative pro.kronsberg - Mensch, Natur, Zukunft.
Am Sonntag, 20.11.2011, wurden beim virtuellen Spaziergang um die an der Hannover Messe geplante Logistikhalle gut 450 Menschen gezählt. Dank dieser guten Resonanz konnte Meter an Meter eine Längsseite nachgestellt werden. Interessante Gespräche von Anliegern und Lokalpolitikern fanden bei sonnigem November-Wetter statt. Gestärkt von Bratwurst und Punch wurde zwischen 14 und 15 Uhr diskutiert. Gegen 16 Uhr endete die Veranstaltung.
Die Diskussion, Anliegerinteressen zu wahren und im Sinn von Hannover mit dem bereits bestehenden Konzept Arbeitsplätze zu schaffen, wurde angestoßen und wird fortgesetzt.

Es könnte die Firmenansiedlung des Jahrzehntes werden, wenn sich ein internationales Versandhandelsunternehmen am Messeschnellweg ansiedelt, war eine der Schlagzeilen in Hannovers Presse Ende September 2011. Nach Angaben des bislang noch nicht benannten Nutzers werden damit 1.000 Dauerarbeitsplätze und bis zu 1.500 Saisonkräfte für Arbeit an 7 Tagen in der Woche im 24 Stundenbetrieb entstehen ab September 2012. Was bedeutet das?

Grundsätzlich ist die Zielsetzung, Arbeitsplätze zu schaffen, sinnvoll und begrüßenswert. Gleichwohl verwundert, in welcher Geschwindigkeit die Änderung der Bauleitpläne von der Verwaltung betrieben wird. Logistiker sprechen vorsichtig bei Neuansiedlungen von mehreren Jahren Planungszeit, um den gesetzlichen Anforderungen, insbesondere ökologischen Aspekten, Verkehrsleitplanung und betroffenen Anliegern angemessen zu begegnen.

Oberbürgermeister Weil hat in einer ersten Bürgerveranstaltung im Oktober eingeräumt, daß Steuereinnahmen nicht zu erwarten sind. Ein Erlös werde durch den Verkauf der Fläche erzielt. Wird tatsächlich ein Erlös erzielt?

Mit der Änderung der Bauleitpläne wird das ökologische Konzept der Siedlung und des Landschaftsschutzgebietes Kronsberg, das während der EXPO aufgelegt und mit Geldern unterschiedlicher Haushalte finanziert worden ist, aufgegeben. Das Siedlungskonzept sah auf 2/3 der jetzt betroffenen Fläche eine kleinflächige Bebauung zur gewerblichen und privaten Nutzung vor. Ein Konzept, das sowohl Arbeitsplätze ortsnah geschaffen als auch Belastungen für die Anlieger minimiert hätte als auch den ökologischen Besonderheiten des Kronsberges, seiner Beschaffung und Flora und Fauna gerecht geworden ist.

Für die Klärung naturschutzrechtlicher Aspekte wird dem Gesetz nach ein Jahr benötigt, um Flora und Fauna über die Jahreszeiten zu beobachten. Das Änderungsverfahren wurde jetzt eingeleitet und ab September 2012 soll die logistische „Produktion“ bereits vor Ort laufen. Ist das Landschaftsschutzgebiet Kronsberg und deren angrenzende Siedlung ökologisch gescheitert, um sich über diese Anforderung bei einer Umsetzung derart hinwegsetzen zu können?

Demgegenüber wären mit der Aufgabe des Siedlungskonzeptes erhebliche Kosten für den Rückbau der Cousteau-Allee, Abholzen der mehr als zehn Jahre alten Bäume sowie von Ver- und Entsorgungsleitungen verbunden. Weitere Kosten entstünden durch Immissionsschutz. Können die Anlieger vor den Licht-, Lärm-, Schmutzimmissionen überhaupt geschützt werden?

Ein Teil der geplanten Sonderfläche Logistik selbst wurde teils zur Erdölförderung genutzt, teils handelt es sich um Deponieflächen Bemerode I und III, die zur EXPO, die bekanntlich unter dem Motto „Mensch, Natur, Technik“ gestanden hat, versiegelt und mit Engasungsanlagen aufgearbeitet wurden. Auf dem von der Messe als Parkplatz genutzten Bereich ist ein Teil abgesperrt. Nach derzeitigem Kenntnisstand darf die abgesperrte Fläche wegen Einsturzgefahr in einen Teil der Deponie noch nicht einmal beparkt werden!

33 Hektar Land auf dem Präsentierteller vor der Deutschen Messe AG am Schnellweg heißt Werbung für den Nutzer, dessen Branche boomt. Und nach dem Boom? Nach dem Boom stehen Hannover und der Region weder die Arbeitsplätze zur Verfügung noch hat sie Zugriff auf den Grund, vormals ein Teil ihres „Tafelsilbers“. Stattdessen hätte der Investor ein Renditeobjekt. Bei der Größe der Fläche wie auch der geplanten Halle – der IKEA-Expo-Bau würde fast 8 Mal hineinpassen – ist gewiß, daß der Investor unabhängig vom potentiellen Nutzer vor einer Investition auch diese Szenarien durchgespielt.

Nach Nutzerangaben bis zu 400 Lastkraftwagen und bei Schichtwechsel bis zu 1.000 PKW von und zu dem Gelände fahren werden. Mit Beginn der Dunkelheit sind vergleichbare Hallen beleuchtet. Dies hat immense Auswirkungen durch die Immissionen an Feinstaub, Lärm und Licht für die Anlieger und letztendlich für die Stadt Hannover.

Das Frauenhofer Institut hat sowohl festgestellt, welche gute Stellung Hannover im Bereich Mobilität aufweist als auch welche Belastungen durch Feinstaub und Lärm Hannoveraner ausgesetzt sind. In der Bürgerversammlung hat Oberbürgermeister Weil die Erkenntnisse zu Belastungen als nicht repräsentativ abgetan. ...
Bis zur EXPO stand der Mensch für Hannover im Vordergrund. Ende 2010 wurde ein Lärmaktionsplan der Stadt verabschiedet. Die Stadt Hannover hat eine strenge Baumschutzsatzung.
Nutzentransparenz setzt voraus, die Kosten insgesamt, ihre Träger im Verhältnis zum Verkaufserlös und nachhaltiger gesicherter Schaffung von Arbeitsplätzen zu veröffentlichen.

Aufgrund dessen hat sich zur aktiven Beteiligung von Anliegern und Betroffenen die Initiative „pro.kronsberg – Mensch, Natur, Zukunft“ gegründet. „pro.kronsberg“ zeigt auf, welche Ausmaße und damit auch möglichen Folgen die geplante Logistikhalle an der Siedlung Kronsberg und Seelhorst hat.

[Pressemitteilung Initiative „pro.kronsberg – Mensch, Natur, Zukunft“ GbR, 21.11.2011, Frank Podschadly]

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